Glossar · DGUV 209-093

Arbeiten unter Spannung (AuS)

AuS – Arbeiten unter Spannung: Tätigkeiten an Hochvolt-Fahrzeugsystemen, bei denen das HV-System nicht vollständig freigeschaltet ist und aktive Spannungen über 60 V DC bzw. 25 V AC anliegen. AuS ist nach DGUV Information 209-093 ausschließlich Personen mit Stufe 3S oder Stufe 3E erlaubt und erfordert zwingend spezifische Persönliche Schutzausrüstung (PSA).

Was ist Arbeiten unter Spannung?

Der Begriff „Arbeiten unter Spannung" (AuS) bezeichnet nach DGUV Information 209-093 alle Tätigkeiten, bei denen ein Techniker in direkten oder indirekten Kontakt mit spannungsführenden Teilen eines Hochvoltsystems kommen kann – oder bei denen das Risiko eines solchen Kontakts nicht ausgeschlossen werden kann. Die Grenzwerte liegen bei über 60 V Gleichspannung (DC) oder über 25 V Wechselspannung (AC).

In modernen Elektro- und Hybridfahrzeugen arbeiten Traktionsbatterien und Antriebssysteme typischerweise mit 400 V DC (ältere Fahrzeuge) bis 800 V DC (aktuelle Plattformen wie Porsche Taycan, Audi Q8 e-tron, Kia EV6). Diese Spannungen sind unmittelbar lebensbedrohlich. AuS stellt daher die anspruchsvollste und gefährlichste Tätigkeit im HV-Umfeld dar.

Wichtig: AuS darf niemals ohne vollständige PSA, ohne schriftliche Genehmigung des Arbeitgebers und ohne explizite Stufe-3S/3E-Qualifikation durchgeführt werden. Verstöße können zu schweren Stromverletzungen oder Tod führen und begründen arbeitsrechtliche sowie strafrechtliche Haftung des Arbeitgebers.

Wer darf unter Spannung arbeiten?

Die DGUV 209-093 ist eindeutig: AuS an HV-Fahrzeugen darf ausschließlich eine FHV mit Stufe-3S- oder Stufe-3E-Qualifikation durchführen. Eine FHV der Stufe 2S ist für das Freischalten und Arbeiten im spannungsfreien Zustand qualifiziert – AuS ist ihr jedoch nicht erlaubt.

Stufe 3S
AuS – Serienfahrzeuge
Diagnose und Fehlersuche unter aktiver HV-Spannung an Serienfahrzeugen nach SoP
Stufe 3E
AuS – Entwicklung
Wie 3S, zusätzlich an Prototypen, Vorserienfahrzeugen und Prüfständen
Stufe 2S / 2E
Kein AuS erlaubt
FHV Stufe 2S/2E darf nur im vollständig spannungsfreien Zustand arbeiten
Stufe 1S / FuP
Kein AuS erlaubt
Fachkundig unterwiesene Personen führen keine HV-Tätigkeiten eigenständig aus

Pflicht-PSA beim Arbeiten unter Spannung

Die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) beim AuS ist durch Normen und DGUV 209-093 verbindlich vorgeschrieben. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, diese PSA bereitzustellen und regelmäßig auf ihre Tauglichkeit zu prüfen.

Wann ist AuS tatsächlich notwendig?

In der Werkstattpraxis sind AuS-Tätigkeiten auf spezifische Diagnose- und Messaufgaben beschränkt, die im spannungsfreien Zustand technisch nicht möglich sind:

AuS vs. Arbeiten im spannungsfreien Zustand

Der grundlegende Unterschied liegt in der Frage, ob das HV-System vollständig freigeschaltet und gesichert ist. Für die überwiegende Mehrzahl aller HV-Tätigkeiten in Werkstätten – Batterietausch, Wechselrichterwechsel, Kabelarbeiten – ist keine AuS erforderlich. Die korrekte HV-Freischaltung nach DGUV 209-093 ermöglicht sicheres Arbeiten ohne das erhöhte Risiko von AuS.

AuS sollte stets als letztes Mittel betrachtet werden: Wenn eine Aufgabe durch vollständiges Freischalten sicher erledigt werden kann, muss dies so geschehen. Die Entscheidung für AuS ist zu dokumentieren und betrieblich zu genehmigen.

Wer darf an HV-Fahrzeugen unter Spannung arbeiten?
Ausschließlich eine nach DGUV Information 209-093 qualifizierte FHV mit Stufe 3S (Serienfahrzeuge) oder Stufe 3E (Entwicklung/Prototypen). Eine FHV Stufe 2S darf AuS nicht durchführen.
Welche PSA ist beim Arbeiten unter Spannung Pflicht?
Mindestens: Isolierhandschuhe Klasse 1 nach EN 60903, CAT-III-Messgerät (min. 1.000 V), Gesichtsschutz, isoliertes Werkzeug nach EN 60900 und Sicherheitsschuhe. Bei erhöhtem Lichtbogenrisiko zusätzlich lichtbogengeprüfte Schutzkleidung.
Wann ist Arbeiten unter Spannung notwendig?
AuS ist nur dann erforderlich, wenn Diagnose- oder Messarbeiten technisch nicht im vollständig spannungsfreien Zustand durchgeführt werden können – z. B. bei der Fehlersuche unter Last oder bei Spannungsmessungen am aktiven Inverter. AuS ist immer zu dokumentieren und betrieblich zu genehmigen.

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